Der Bau der Bahnbetriebs- und Ausbesserungswerke auf dem rund 24 Hektar großen Areal an der Firnhaberstraße wurde in seinen Grundzügen 1906 fertiggestellt. In vierjähriger Bauzeit waren auf dem Hochfeld, südlich des Hauptbahnhofes, angrenzend an den Abschnitt Augsburg – Lindau der Ludwig-Süd-Nord-Bahn zwei große Ringlokschuppen mit Drehscheiben, eine Lokwerkstätte, Bekohlungs- und Reinigungsanlagen, Werkstätten für Reparatur und Unterhalt von Reisezug- und Güterwagen sowie eine Radsatzwerkstätte nebst den dazugehörigen Nebenbauten für Verwaltung, für die Übernachtung des Lokomotivpersonales, für die Lagerung von Materialien und Brennstoffen mit allen erforderlichen Gleisanlagen und einem eigenen Stellwerk entstanden. Die bis dahin bestehenden Einrichtungen auf dem Rosenauberg, streng symmetrisch gegenüber dem Bahnhofsgebäude angeordnet, mußten der notwendigen Erweiterung des Rangierbahnhofes weichen.
Auf dem Hochfeld entstandenen großzügige und modern gestaltete Anlagen, die ohne wesentliche Zu- und Umbauten bis zur Jahrtausendwende ihrer Aufgabe gerecht wurden. Als besonderer Glücksfall kann gewertet werden, dass die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges nahezu keine größeren Schäden anrichteten – angesichts der strategischen Bedeutung der Eisenbahn und der katastrophalen Zerstörungen im restlichen Teil Augsburgs kaum nachvollziehbar.
Somit blieb bis in die Gegenwart – wohl einmalig – eine komplette Anlage für Lok- und Wagenunterhaltung aus der Zeit der Königlich Bayerischen Staatsbahn erhalten.
Vor allem eine baulich-gestalterische Besonderheit unterscheidet die Augsburger Bauten von anderen Bahnbetriebsanlagen: Noch nach der Jahrhundertwende wurden alle Hochbauten äußerlich im Stil des fast 50 Jahre zurückliegenden Spätklassizismus ausgeführt, wie er von Friedrich Bürklein beim Umbau des Augsburger Hauptbahnhofes geprägt worden war. Obwohl es, wie gerade die sonstigen Entwicklungen in Augsburg zeigen, damals schon eine eigenständige Industriearchitektur gab, scheint man im Interesse eines einheitlichen Duktus für alle Bahnbauten oder aus Reminiszenz gegenüber dem großen Baumeister Bürklein dessen Formensprache fortgeführt zu haben.
Das im Südteil des Geländes gelegene ehemalige Radsatz-Ausbesserungswerk wurde bereits Anfang der 1960er-Jahre geschlossen. Die Hallen stehen seither leer, bzw. sind vermietet. Die Signalmeisterei im südwestlichen Teil der Anlage sowie die Personen- und Güterwagenausbesserung wurden Ende der 1990er-Jahre geschlossen. Auch das Bahnbetriebswerk Augsburg 1 ist zwischenzeitlich als selbständige Betriebsstelle aufgelöst.
Die Deutsche Bahn AG hat ihren Betriebsbereich, der auch in Zukunft genutzt werden soll, auf einen Teilbereich im Norden des Geländes reduziert.
Was steht unter Denkmalschutz?
Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in München hat die Anlage an der Firnhaberstraße in ihrer Gesamtheit mit Datum vom 23. April 1996 unter Denkmalschutz gestellt und mit nachfolgendem Text in die Denkmalliste Teil A, Baudenkmale, nachgetragen:
„Firnhaberstraße. Bahnbetriebswerk, Betriebs- und Reparaturwerkstätten auf ausgedehntem Gelände, im wesentlichen 1903-06 errichtet und 1922-24 erweitert. Bestehend aus: zwei Ringlokschuppen, 1903 und 1905, der südliche 1986 zur Hälfte abgebrochen, mit Drehscheiben von 1922; Lok-Richthalle, 1922; Wagen-Richthalle, südöstlicher Teil 1906, Erweiterungen 1923-24; zwei Radsatz-Reparaturhallen, 1906; Magazin, 1906; Lagerhalle, 1906; Kesselhaus, 1906; Übernachtungsgebäude, 1906; Triebwagenhalle 1935. (Fl.Nr. 5249, 5251, 5251/11, 5249/16, 5249/18, 5249/19, 5249/28, 5249/29, 5249/11, Gemarkung Augsburg)"
Quelle:
Dipl.-Geograph Jürgen Schiffler, Augsburg