Online-Ausstellung "75 Jahre Kriegsende"

75 Jahre nach Kriegsende - die "Online-Ausstellung"

Inferno in Schwaben:
Bomben auf die Reichsbahn

Es war Nacht und Feuer fiel vom Himmel. In zwei kurz hintereinander geflogenen Angriffswellen verwüsteten amerikanische und britische Flugzeuge in der schrecklichen „Bombennacht“ vom 25. auf den 26. Februar 1944 die ehemals prächtige Reichsstadt Augsburg. Es war der folgenschwerste Angriff auf die Stadt. In Augsburg und in ganz Schwaben blieben Züge, Brücken, Bahnhöfe und Bahnbetriebswerke bis in die letzten Kriegstage im April und Mai 1945 im Visier der Bomberpiloten.

75 Jahre nach Kriegsende, ab Mai 2020, macht der Bahnpark Augsburg auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes an der Firnhaberstraße zwei historische Luftschutzbunker für die Öffentlichkeit zugänglich. Wo früher Mitarbeiter der Reichsbahn Schutz suchten, befindet sich nun eine Ausstellung zum Bombenkrieg.

Über die Ausstellung im Bahnpark hinaus werden weitere historische Bilder mit dieser "Online-Ausstellung" zugänglich gemacht. Die Aufnahmen spannen einen weiten Bogen: Von der Verblendung der Massen durch den "Führer" in den frühen 1930er-Jahren bis hin zur totalen Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkrieges, der durch Hitler und seine Schergen entfesselt worden war.

Die Bilder stammen größtenteils von den offiziellen Fotografen der damaligen Reichsbahndirektion Augsburg.

Not, Elend und Vertreibung, Tod und Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkrieges hatten ihren Ursprung in der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933. Rund zwanzigmal besuchte Hitler vor und nach der Machtergreifung die Stadt Augsburg. Voller Verblendung reckten sich am 24. Mai 1939 dem "Führer" zahlreiche Hände entgegen, als dieser mit seinem Sonderzug am Hauptbahnhof eintraf. Nur drei Monate später führte Hitler "sein" Volk in die Katastrophe des Krieges.
Massenaufmärsche, Fackelzüge, Fahnen und Marschmusik waren wirksame Mittel der Propaganda. Als Adolf Hitler die Stadt Augsburg besuchte, waren auch das Bahnhofsgebäude und der gesamte Vorplatz aufwändig geschmückt. Die Menschen drängten sich in Massen, um einen Blick auf den "Führer" zu erhaschen, als dieser mit dem Automobil am Hauptbahnhof vorfuhr. Undatiertes Bild.
Bald nach der Machtergreifung 1933 missbrauchten die Nationalsozialisten auch die Deutsche Reichsbahn als Instrument der Propaganda. Diese Dampflok trug Mitte der 1930er-Jahre einen Slogan der NSDAP, der angesichts der folgenden Bilder von Krieg und Zerstörung wie Hohn klingt: "Mit Adolf Hitler für Freiheit, Ehre und Frieden!"
Auch für die Reichstagswahlen am 29. März 1936 mussten Lokomotiven der Deutschen Reichsbahn als Werbeträger für die Nationalsozialisten herhalten: Das Foto zeigt die Elektrolok E 52 26 im Augsburger Hauptbahnhof. Auf der Seitenwand trägt die Lokomotive den Schriftzug „Jede Stimme dem Führer“.
Am 1. September 1939 beginnt mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Hitler schickt Millionen von deutschen Soldaten in den Krieg. Viele von ihnen werden ihre Heimat nie wieder sehen. Dieses Foto entstand vermutlich in einem kleinen Bahnhof im Allgäu und zeigt drei Wehrmachtssoldaten, die auf ihren Zug in Richtung Front warten.
Schon bald nach Kriegsausbruch erhielten auch die Familien in Schwaben die ersten Nachrichten vom Tod ihrer Söhne, Väter und Brüder. Die Reichsbahn, die wenige Monate zuvor noch Propagandamittel der Nationalsozialisten war, musste nun Verwundete und Kriegsversehrte nach Hause bringen. Auf einem der Wagen prangt die Aufschrift "Heim zu Mutti".
Nur mit Hilfe von zahllosen Kriegsgefangenen gelang es der Deutschen Reichsbahn während des Krieges den Betrieb aufrecht zu erhalten. Um die Arbeit zu organisieren, wurden auch in der Reichsbahndirektion Augsburg hunderte von russischen Gefangenen in Listen erfasst und fotografiert. Um Filmmaterial zu sparen, wurden die Männer jeweils in Vierergruppen vor einer Bretterwand abgelichtet. In manchem Gesicht spiegeln sich Angst und Verzweiflung.
Bald forderte der Krieg auch in der Heimat seinen Tribut: Auf der Suche nach kriegswichtigen Metallen sammelten die Nationalsozialisten in den Städten und Dörfern die Kirchenglocken ein, die dann der Rüstungsindustrie zugeführt und eingeschmolzen wurden. Im Jahr 1943 wurden im Bahnhof Buchloe die Kirchenglocken aus der gesamten Umgebung verladen und abtransportiert.
Der Krieg, den Hitler-Deutschland nach ganz Europa getragen hatte, schlug schon bald auf die eigene Bevölkerung zurück. Mit Beginn der alliierten Bombenangriffe auf das Reichsgebiet wurden Kinder aus den gefährdeten Großstädten evakuiert und auf dem vermeintlich sicheren Land untergebracht. Ein Transport der sogenannten "Kinderlandverschickung" trifft soeben in Wertingen ein.
Den schrecklichsten Angriff auf den Augsburger Hauptbahnhof flogen am 27. Februar 1945 insgesamt 433 US-Bomber: Binnen weniger Minuten klinkten sie 2200 Sprengbomben aus. 239 Menschen kamen allein an diesem Tag in Augsburg ums Leben. Ein Fotograf der Reichsbahndirektion dokumentierte die Schäden im Bereich der Güterhalle.
Es ist Mittwoch, der 11. April 1945 - knapp vier Wochen vor Kriegsende. An diesem Tag wird in Donauwörth auf Gleis 6 ein Personenzug nach Augsburg bereit gestellt. Plötzlich greifen alliierte Bomber an und verwandeln den Bahnhof innerhalb von wenigen Minuten in ein brennendes Inferno.
Eine Rangierlok suchte am 27. Februar 1945 unter der sogenannten "Gögginger Brücke" im südlichen Gleisvorfeld des Augsburger Hauptbahnhofes Schutz vor den Luftangriffen. Doch eine Bombe durchschlug die Straßenfahrbahn und warf die schwere Dampflok um wie Spielzeug.

 

 

Trotz der verheerenden Schäden im Umfeld kam das historische Empfangsgebäude des Augsburger Hauptbahnhofes mit relativ geringen Schäden durch den Zweiten Weltkrieg. Dieses Foto entstand nach dem Bombenangriff am 27. Februar 1945. Heute steht das Gebäude, das im Kern im Jahr 1846 von Friedrich Bürklein errichtet wurde, unter Denkmalschutz und gilt als eines der ältesten Bahnhofsgebäude, die heute noch in Betrieb sind.
Die Gebäude sind zerstört oder schwer beschädigt, die Ladestraße mit Trümmern übersät - so zeigte sich der Augsburger Ladehof am 27. Februar 1945. Über der Trümmerlandschaft raucht im Hintergrund der Schlot der Brauerei Riegele.
Die ehemals so prächtige Reichsstadt Augsburg wurde von den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört. Von der Gögginger Straßenbrücke aus bot sich am 27. Februar 1945 ein Bild des Grauens.
Das Bahnhofsgebäude von Donauwörth wurde nahezu vollständig zerstört. Als einer der Fotografen der Reichsbahndirektion Augsburg am 11. April 1945 seine Bilder machte, schien ein geordneter Bahnbetrieb auf lange Zeit unmöglich. Tatsächlich aber konnte die Reichsbahn meist schon bald nach den Luftangriffen zumindest wieder einen provisorischen Verkehr einrichten.
Donauwörth am 11. April 1945: Eines der Stellwerke hatte einen Volltreffer erhalten.
Auch der ländliche Bahnhof von Immenstadt im Allgäu blieb vom Bombenterror nicht verschont. Am 22. Februar 1945 sind vor allem Kriegsgefangene damit beschäftigt, die Schäden der Luftangriffe an den Gleisanlagen zu beseitigen.
Ein geradezu apokalyptisches Bild bot sich am 4. März 1945 im Bahnbetriebswerk Neu-Ulm. Inmitten einer Trümmerlandschaft stehen die Überreste der Dampflok 38 431.
Auch Nördlingen geriet ins Visier der Bomberpiloten: Die Dampflokomotive 50 1202 war im Bahnbetriebswerk gerade an der Bekohlungsanlage, als sie von einer Bombe getroffen wurde. Das Bild entstand am 21. April 1945 - nur wenige Tage vor Kriegsende.
Ein Volltreffer zerstörte das Verwaltungsgebäude des Bahnbetriebswerkes und den Lokschuppen in Nördlingen (Bild vom 21. April 1945). Nach dem Krieg wurden die Gebäude wieder aufgebaut; sie beherbergen heute das Bayerische Eisenbahnmuseum BEM.
Das Bahnbetriebswerk Augsburg musste den alliierten Bomberpiloten als eines der wichtigsten strategischen Ziele im Verkehrsnetz Schwabens gegolten haben. Dennoch kam das Werk mit sehr geringen Schäden davon. Bombentreffer wie dieser blieben die Ausnahme. Ursache dafür war vermutlich die falsche Berechnung der Windverhältnisse, die dafür sorgte, dass die meisten Bomben, die dem Betriebswerk galten, auf unbebautem Gelände niedergingen.