Zeitreise


Die Dauerausstellung "Zeitreise" ist im Aufbau. Bereits jetzt sind die Großexponate zu sehen: rund 16 historische Lokomotiven aus vielen europäischen Ländern.

Das Rahmenkonzept für die zukünftige Dauerausstellung:

Zeitreise:
Loks erzählen europäische Geschichte(n)

Bitte einsteigen! Kommt mit auf eine spannende Zeitreise.

Alte Loks aus vielen Ländern werden als "stählerne Zeitzeugen" ihre spannenden Geschichten erzählen: von Kaiserin "Sisi" und ihrem Hofzug, vom sagenumwobenen Orient-Express, von Krieg und Frieden, von Urlaubsfahrten nach "Bella Italia", vom "Kalten Krieg" und geheimen Lokomotiven. Von Mauerbau und Wiedervereinigung, vom Fall des "Eisernen Vorhangs" - und vom Glück der Reisefreiheit in einem vereinten Europa.

Die Zeitreisen werden quer durch Europa und seine Geschichte führen. Geplant ist eine Reise über 16 Stationen. Ihr sollt eintauchen in "begehbare Bühnenbilder": Bahnsteigszenen aus der jeweiligen Zeit machen die Meilensteine europäischer Geschichte hautnah erfahrbar. Ankommen und abfahren; Abschied nehmen und willkommen heißen. Von Rom bis zum Polarkreis, von Paris bis Konstaninopel. Vom Zeitalter der Industriellen Revolution bis in die Gegenwart.


Foto: Wikimedia Commons

Wien Süd Bahnhof (Kaiserreich Österreich-Ungarn)
23. Mai 1884:

Abfahrt des Hofzuges von Kaiserin Sisi

Im nächtlichen Wiener Süd Bahnhof steht abfahrbereit der Hofzug Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Elisabeth. Die Reise führt von der Hauptstadt des Habsburgerreiches über die berühmte Südbahn nach Triest, dem größten Kriegs- und Handelshafen der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie.

Paris Gare de l'Est (Frankreich)
27. Juli 1914:

Mit dem Orient-Express nach Konstantinopel

Es war die Glanzzeit der Eisenbahn und zugleich die Glanzzeit Europas: Luxuszüge wie der Flèche d’Or oder der Train Bleu fuhren quer über den Kontinent. Als "König der Züge" gilt bis heute der Orient-Express. Könige und Prinzen benutzten diesen "Palast auf Rädern", ebenso wie türkische Effendis oder Sultane, Filmdiven, Schriftsteller, Botschafter und Spione. Das Markenzeichen waren dunkelblaue Salon- und Schlafwagen, die ausgestattet waren mit edlen Teppichen, beleuchtet von prachtvollen Lüstern und eingerichtet mit wertvollen Möbeln.

Weltausstellung Paris (Frankreich)
25. Mai 1937

Große Leistungen und totale Zerstörung

In den 1930er Jahren wird die Technik in ganz Europa zu immer neuen Höchstleistungen angetrieben. Lokomotiven werden immer schneller und kräftiger. Die Konstruktion unserer E 18 08 wird auf der Pariser Weltausstellung 1937 mit vier Preisen ausgezeichnet. Zwei Jahre später stürzt der Kontinent in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs, der für die Eisenbahnen mit der totalen Zerstörung endete.

Treblinka (heute Polen)
25. August 1942:

Ein Zug, der nie im Fahrplan stand

Zwischen Oktober 1941 und Mai 1945 wurden Millionen von jüdischen Mitbürgern sowie Angehörige der Sinti und Roma in Ghettos und Vernichtungslager transportiert. Die Ausstellung im "Deportationswagen" erzählt vom dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte.

Freie Strecke zwischen Maribor und Ljubljana (Slowenien)
13. März 1945:

Partisanen bringen eine Dampflok zum Entgleisen

Krieg und Frieden in Europa: Eindringlich berichtet die Botschafter-Lokomotive Sloweniens von ihrer dramatischen Geschichte. Am 13. März 1945 wird sie von jugoslawischen Partisanen angriffen. Die Lok fährt auf eine Mine; das Gleis explodiert. Die Lok entgleist und stürzt in den Fluss Save.

Reichenberg / Liberec (Tschechien)
14. Mai 1946:

Vertrieben nach Augsburg

Nach dem Zweiten Weltkrieg müssen Zehntausende von Deutschen ihre Heimat im Sudetenland verlassen. Einer dieser Transporte rollt am 14. Mai 1946 von Reichenberg (Liberec) nach Augsburg.

In Vorbereitung: Regua (Portugal)
6. Oktober 1948

Portwein-Express

Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Eisenbahn auch die entlegendsten Täler Europas erschlossen. Für viele Dörfer boten die Schienen den Anschluss an die "große, weite Welt". Im Norden Portugals fuhren Schmalspurbahnen durch die herrlichen Landschaften entlang des Flusses Douro. Auch der berühmte Portwein wurde mit Dampflokomotiven in alle Welt transportiert.

Derzeit verhandeln wir mit Portugal über die Entsendung einer "Botschafter-Lokomotive".

Roma Termini (Italien)
10. April 1951

Im Sonderzug nach "Bella Italia"

Sehnsucht nach dem Meer: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde "Bella Italia" zum Traumziel der Deutschen. Capri und die Toskana, die Strände der Adria und die Küste der Riviera, Pasta, Pizza und Dolce Vita machten die Not der Kriegs- und Nachkriegszeit vergessen. Unsere E 636 zog die ersten Sonderzüge mit unbeschwerten Urlaubern in Richtung Florenz, Rom, Neapel oder Palermo.

Luxemburg
23. Juli 1952

Eine Lok für Kohle und Stahl

Es war ein Meilenstein europäischer Geschichte: Am 23. Juli 1952 schließen sich Luxemburg, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland zur "Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl" zusammen. Mit dieser sogenannten Montanunion wurde der Grundstein für die heutige Europäische Union gelegt. Das Großherzogtum Luxemburg lässt seine Botschafter-Lokomotive BB 3602 aus dieser Zeit berichten.

Bern Hbf (Schweiz)

Lokomotiven erobern die Alpen

Unsere berühmte Elektrolok Ae 4/7 wurde 1931 gebaut und fuhr auf vielen Strecken in der Schweiz. Sogar der berühmte Simplon-Orient-Express wurde mit Loks der Bauart Ae 4/7 gezogen. Heute berichtet die Lok von spektakulären Gebirgseisenbahnen, die zwischenzeitlich zum UNESCO Welterbe erklärt wurden.

Berlin Friedrichstraße (damals DDR)
13. August 1961

"Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten"

Diesen Satz sagte der DDR-Staats-Chef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961. Zwei Monate später war die Berliner Mauer gebaut; die Teilung Deutschlands war scheinbar in Beton gegossen. Die Dampflok 03 295 bespannte bei der Reichsbahn der DDR die Schnellzüge zwischen Leipzig und Berlin. Sie erzählt von der Teilung Deutschlands und vom "Eisernen Vorhang", der quer durch Europa ging.

Lüttich (Belgien)
8. August 1969

Eine Lok überwindet alle Grenzen

Der französische Präsident Charles de Gaulles und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer unterzeichnen 1963 den berühmten Élysée-Vertrag: Aus "Erbfeinden", die über viele Jahrhunderte hinweg blutige Kriege gegeneinander geführt hatten, werden Partner und Freunde. In direkter Folge des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages werden die Loks der Baureihe 184 gebaut. Mit ihrer elektrischen "Vier-System-Ausrüstung" überwinden die Loks alle Grenzen und fahren auch in Frankreich, Belgien und Luxemburg.

Stockholm Centralstation (Schweden)
30. Juni 1968

Kalter Krieg und geheime Lokomotiven

Wir schreiben das Jahr 1968. Europa ist durch den „Eisernen Vorhang“ getrennt. Unerbittlich stehen sich Ost und West im „Kalten Krieg“ gegenüber. Die schwedische Regierung gibt den Auftrag zur Aufbau einer "strategischen Reserve". Rund 50 "geheime" Dampflokomotiven werden über das ganze Land verteilt. Im Kriegsfall sollen sie den Eisenbahnverkehr aufrecht erhalten. Die Lok mit der Nummer 1135 wird in der Nähe des Polarkreises versteckt. Glücklicherweise kommt sie nie zum Einsatz.

Bordeaux-Saint-Jean (Frankreich)

Rausch der Geschwindigkeit

Frankreich, Deutschland und Großbritannien lieferten sich über viele Jahre hinweg ein Wettrennen um die schnellsten Lokomotiven. Einen Meilenstein markiert die französische CC 6503: Mit einer Leistung von 5900 kW erreichte sie 220 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Mit dem berühmten Express-Zug "Aquitaine" fuhr sie von Paris nach Bordeaux.

Amsterdam Centraal (Niederlande)
6. Juni 1971

Königliches Reisen in Europa

Kaiser und Könige, Adelige und Industriebarone – alle nutzten bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die Eisenbahn für ihre Reisen. An das „Königliche Reisen in Hof- und Salonzügen“ erinnert die Botschafter-Lokomotive der Niederlande, die einst den Hofzug von Königin Beatrix bespannte.

Berlin
9. November 1989

Mauerfall und Wiedervereinigung

Am Abend des 9. November 1989 öffnet die DDR die Grenzen zu West-Berlin. Innerhalb weniger Tage fällt die Berliner Mauer und der "Eiserne Vorhang". Sonderzüge bringen Bürger der DDR in den Westen - und umgekehrt Bundesbürger in den Osten. Rund 30 Jahre der Trennung zwischen Ost und West finden ein Ende. "Es wächst zusammen, was zusammen gehört." Mit diesem Satz meinte der der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt nicht nur Deuschland, sondern auch ganz Europa.

München Hbf
3. Oktober 1990

Reiselust und Reisefreiheit in Europa

Die damalige Deutsche Reichsbahn stellte 1935 den elektrischen Aussichtstriebwagen ET 91 01 in Dienst: Der „Gläserne Zug“ bot einen einzigartigen Panoramablick. Von München aus fuhr er in die Bayerischen und Österreichischen Alpen. Nach dem Krieg begrenzte der „Kalte Krieg“ die Reisefreiheit. Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs konnte der Gläserne Zug auch in die ehemalige DDR und nach Ost-Europa fahren. Reisefreiheit wurde - scheinbar - zur Selbstverständlichkeit. Über viele Jahrzehnte hinweg galt der "Gläserne Zug" als Inbegriff der Reiselust.


Die Dauerausstellung Zeitreise wird gefördert von:


Europäische Museumspartner:

  • DB Museum, Nürnberg
  • B&B Dampflokomotiven Betriebsgesellschaft, Wien
  • Italienische Staatsbahn TrenItalia, Rom
  • Französische Staatsbahn SNCF, Paris
  • Staatliches Slowenisches Eisenbahnmuseum, Ljubljana
  • Deutsches Technikmuseum, Berlin
  • Staatliches Schwedisches Eisenbahnmuseum, Gävle
  • SBB Historic - Stiftung Historisches Erbe der Schweizerischen Bundesbahnen, Bern
  • Luxemburgische Staatseisenbahnen CFL
  • Niederländisches Eisenbahnmuseum, Utrecht